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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1915. 
analog wäre. Durch eine zahlenmäßige Überschlagsrechnung unter der Annahme, 
daß das Geokoronium von 200 km aufwärts in der Zusammensetzung überwiegt, 
läßt sichEzeigen, daß die Luft am Erdboden noch etwa sechs Zehntausendstel 
Volumenprozente dieses Gases enthalten müßte. Der Nachweis einer so kleinen 
Größe ist jedenfalls mit den heutigen technischen Mitteln leider außerordentlich 
schwierig. 
3. Polarlicht. 
In jüngster Zeit hat sich namentlich durch die Arbeiten skandinavischer 
Forscher das Dunkel gelichtet, welches bisher über die Natur des Polarlichtes 
gebreitet war, und damit ist der Schleier von einem Jahrtausende alten Rätsel 
der Natur gefallen. Schon Ängström und Paulsen hatten vermutet, das Polar- 
licht sei auf Kathodenstrahlen zurückzuführen, die in der Luft absorbiert werden 
und sie dabei zum Leuchten erregen. Birkeland sprach es zum ersten Male 
aus, daß sie von der Sonne kämen, und machte dies durch eine Reihe glänzender 
Versuche mit einem kleinen kugelförmigen Magneten als Miniaturerde in einer 
riesigen Vakuumröhre sehr wahrscheinlich. Die fast mit Lichtgeschwindigkeit 
Jahinstürmenden Elektronen, aus denen diese Kathodenstrahlen bestehen, werden 
durch das Kraftfeld des Erdmagnetismus von ihrer geradlinigen Bahn abgelenkt 
und in die mannigfaltigsten Schleifen und Spiralen gezwungen. Zum Teil ge- 
langen sie dabei auf die beschattete Rückseite der Erdkugel und treten hier in 
einem bestimmten Abstand vom magnetischen Pol, der Zone größter Häufigkeit 
der Polarlichter entsprechend, in die Atmosphäre ein, welche unter diesem Bom- 
bardement aufleuchtet, dabei aber die Wucht der Geschosse vernichtet, d. h, die 
Kathodenstrahlen absorbiert. 
Die überzeugende quantitative Durchführung dieses Gedankens hat Störmer 
in einer langen Reihe von Publikationen gegeben. Was bisher Hypothese gewesen 
war, reifte durch sie zur Erkenntnis heran, Er führte die mühsame Berechnung 
der Bahn, die diese Elektronen im erdmagnetischen Felde befolgen, für eine große 
Zahl von Fällen aus und stellte sie durch Drahtmodelle anschaulich dar. 
Auf die Berechnungen einzugehen, ist hier unmöglich. Es sei nur erwähnt, 
daß sich die Differentialgleichungen für die Bewegung der Elektronen nicht streng 
integrieren lassen, daß man also nicht imstande ist, die Gleichung ihrer Bahn- 
kurve hinzuschreiben. Man kommt aber, wie in vielen anderen Fällen so auch 
hier, praktisch dennoch zum Ziele durch die sogenannte numerische Integration, 
welche zwar nur eine Näherung darstellt, aber doch eine Näherung, deren 
Genauigkeit sich beliebig weit treiben läßt. Aus dieser Theorie lassen sich alle 
bekannten Eigentümlichkeiten der Polarlichter ableiten, die Zone größter Häufig- 
keit, die vorhang-ähnliche Form, die Bewegungen der Lichtdraperie, ihre Gefolg- 
schaft von magnetischen Stürmen zu den Zeiten, wo sie in ungewohnt niedrigen 
Breiten auftreten, ihre Höhen über dem Erdboden u. a. Das Interesse, welches 
sich an die Höhenmessung des Polarlichts im Zusammenhang mit spektro- 
skopischen Messungen knüpft, ist bereits im vorigen Abschnitt hervorgehoben 
worden. Diese Höhenmessung ist in einer erfreulichen Entwicklung begriffen, 
seitdem die schon von Baschin und Brendel versuchte Photographie dieser 
lichtschwachen Gebilde durch Störmer vervollkommnet und für die photo- 
grammetrische Höhenbestimmung ausgenutzt worden ist. Störmers Messungen 
vom Jahre 1910 in Bossekop (im ganzen 44 Doppelaufnahmen) ergaben Höhen 
zwischen 37 und 370 km. Eine etwas kleinere, in Christiania im April 1911 
erhaltene Messungsreihe (von 15 Messungen) gibt für den scharfen Unterrand 
der Draperien Höhen etwa zwischen 60 und 150 km, während die Einzelstrahlen 
im Mittel etwa bis 250, vereinzelt aber bis 390 und sogar 460 km Höhe hinauf- 
reichten. 
Störmer hat dabei noch den interessanten Versuch gemacht, aus der Länge 
der Nordlichtstrahlen die Temperatur der betreffenden Luftschichten zu berechnen. 
Macht man nämlich die vereinfachende Voraussetzung, daß diese Schichten aus
	        
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